Der beste Freund des Menschen

Die Wissenschaftler sind sich nicht einig, wie viele tausend Jahre der Hund ein Gefährte des Menschen ist. Sie beziffern den Zeitraum zwischen 40 000 und 100000 Jahren. Unumstritten ist allerdings, dass der Hund einer der ältesten, wenn nicht sogar das älteste Haustier ist. Wobei der Begriff etwas irreführend ist, denn damals wohnten Menschen noch nicht in Häusern.

Die ersten Hunde waren Nutztiere. Sie unterstützten den Menschen bei wichtigen Dingen wie der Jagd oder dem hüten von Herden. So bildete jeder Landstrich und jede Kultur seine eigenen Hundearten hervorbrachte: Hier benötigte man den langbeinigen, schnellen Jagdhund, der das Wild hetzte, dort den etwas kompakteren Hütehund, woanders den Haushund, der sehr territorial „sein“ Gebiet verteidigte. Schön die frühen Ägypter züchteten spezielle Rassen und leisteten sich den Luxus eines reinen Begleit- und Schoßhundes.

Diese Vorüberlegungen stimmen mich als Theologin froh, denke ich doch, dass der beste freund des Menschen dann auch gut und häufig in der Bibel zu finden ist. Weit gefehlt!

Zwar kommt auf fast jeder Seite des Alten Testamentes ein Tier vor, der Hund selber taucht aber vergleichsweise selten auf. Ich habe mich einmal an eine kleine Statistik gewagt und in der Konkordanz nachgezählt.

Schafe: 170 Lämmer: 113 Löwe: 103 Pferd: 72 …..

Hund: 35 Schlange: 30

Der Hund und sein Ahn der Wolf kommen rein zahlenmäßig schlecht weg. Aber auch der Kontext lässt nichts Gutes ahnen.

Schon die erste Stelle, an der ein Hund erwähnt wird, ist richtungsweisend: „Doch gegen keinen der Israeliten wird auch nur ein Hund die Zähne fletschen, weder gegen Mensch noch Vieh; denn ihr sollt wissen, dass Jahwe zwischen Ägypten und Israel einen Unterschied macht.“ (Ex 11,7)Schaut man nur auf das Bild des Hundes, so wird er als lebensbedrohlich für Mensch und Vieh dargestellt. Und es wird klar gemacht, dass Jahwe sein Volk vor diesen Bestien schützen wird, im Gegensatz zum Nachbarn Ägypten, die weiterhin dieser Gefahr ausgesetzt sein werden. Noch bedrohlicher wird es, wenn gleich mehrere Hunde auftauchen: „Wer vom Haus Jerobeam in der Stadt stirbt, den werden die Hunde fressen;…“ (1 Kön 14,11a). Eine weitere Perikope zeigt, dass Hunde nicht nur gefährlich, sondern auch nach jüdischen Denken unrein sind: „Wie ein Hund, der zurückkehrt zu dem, was er erbrochen hat, so ist ein Tor, der seine Dummheit wiederholt.“ (Spr 26,11). Welcher Hundebesitzer kennt es nicht, dass Hunde ihr Erbrochenes aufschlecken oder noch üblere Dinge zu sich nehmen, sich gerne im Kot anderer Tiere wälzen und Aas fressen. Damit macht sich der Hund nach dem jüdischen Denken unrein: der Kontakt zu Kot, Aas, Blut und Erbrochenen ist ein Tabu. Durch den Kontakt zu einem Hund, der eben solches frisst, macht sich der Mensch selber unrein und ist von den rituellen Handlungen ausgeschlossen. Dieser Gefahr – die fast größer ist, als die tatsächliche Gefährdung durch Bisse etc. – setzte sich offensichtlich kein frommer Jude freiwillig aus. Oder?

Versöhnlich stimmen mich als Hundeliebhaberin zwei Textstellen. Die eine lesen wir bei Jesaja, der aber sonst auch kein gutes Haar an Hunden lässt: „ Man opfert Rinder – und erschlägt Menschen; man opfert Schafe – und erwürgt Hunde; …“ (Jes 66,3a) Hier geht es um die Endzeit. Die Gräueltaten der Menschen werden aufgezählt und entsprechend geahndet. Dazu gehört das Erwürgen der Hunde ebenso wie das Erschlagen der Menschen. Sollte dies ein Hinweis auf die Würde und den Respekt sein, den Gott für alle seine Schöpfung erwiesen haben will?

Ein Hightlight der Hundeliebe ist in Tobit zu finden: „ ….und der Hund des jungen Tobias lief mit.“ (Tobit 5, 17)Kurz, knapp und fast zu überlesen. Hurra, es gibt sie doch, die treuen Gefährten des Menschen. Auch die Bibel hat Platz für eine gute Mensch-Hund-Beziehung.

Bei all den Grässlichkeiten, die im Alten Testament den Hunden zugeschrieben werden, versöhnt mich dieser kleine Nebensatz. Offensichtlich war er so wichtig, dass er unbedingt in das Buch Tobit aufgenommen werden musste. Ganz ehrlich, stünde er nicht dort, es würde niemanden auffallen, dass etwas fehlt.

Dass wir in unseren Breitengrade so auf den Hund gekommen sind, hängt sicherlich mit unseren keltisch-germanischen Vorfahren zusammen. Dort war der Hund ein angesehener Gefährte, der ganz selbstverständlich im Haushalt mit lebte. Berüchtigt waren die großen Hunde, die die Germanen bei Kriegszügen begleiteten. Aber auch Hütehunde und Hofhunde waren geschätzt, sicherten sie doch den Besitz.

Da schlägt bei mir doch das germanisch verwurzelte Herz für den Hund, ganz besonders für meine Emma. Aber meine jüdisch-christliche Seite applaudiert nicht gerade begeistert, wenn sie sich sich auf einem Güllefeld wälzt, Scheiße frisst oder in der Stadt zum Staubsauger für alles annähernd fressbare mutiert. Und trotzdem liebe ich sie und würde sie nicht wieder hergeben. Zur Not hilft ein Stoßgebet, leises fluchen und eine Dusche für den Hund.

Und das Kopfkissen ist ein bleibt für den Hund tabu!

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